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Sonntag Nachmittag
Strahlender Sonnenschein, warme Kleidung, frische Luft - das Gefühl der
Freiheit und des Glücks im Herzen, so ging er spazieren. Da und dort fand
sich am Wegesrand noch eine Blüte, hin und wieder zwitscherte noch ein
Vogel - und über den Wipfeln sah er die Drachen der Kinder steigen, hörte
ihr Lachen durch den Wald.
Wieder erreichte er die Bank, wo er erst unlängst mitten in der Nacht vor
sich hin geträumt hatte, doch diesmal war sie schon besetzt. Eine hübsche
junge Dame, scheinbar die Mutter eines der spielenden Kinder, saß auf der
Bank und träumte vor sich hin. Irgend etwas an ihrer Art erinnerte ihn an
den letzten Abend - war es das kurzgeschnittene Haar, das im doch Winde
ein wenig wehte, oder war es der zärtliche Blick, mit dem sie aufblickte,
als er fragte, ob der Platz neben ihr noch frei sei? Er konnte es nicht
deuten, aber da war etwas in ihrer Art, das ihn näher hinsehen ließ.
Fast schon peinlich, wie er sie anstarrte, doch sie schien es nicht zu stören.
Sie lehnte sich zurück und ihre fraulichen Rundungen zeichneten sich
durch den Pullover ab. "Mehr" schoß es ihm durch den Kopf -
"mehr bitte". Sie räkelte sich an der Sonne, genoß seinen
Blick sichtbar und freute sich ob der Aufmerksamkeit, die er ihr schenkte.
Der Wind trug ihr Parfum in seine Nase, wie ein Tier folgte er ihrer
Witterung. Er näherte seinen Kopf, um ihren Geruch intensiver
wahrzunehmen, so daß sie schließlich sagte "nicht so flott, junger
Mann". Doch ihr Lächeln strafte die Worte Lügen, ihr Blick war mehr
Aufforderung als Ablehnung.
Die dunkelbraunen Augen erinnerten ihn an eine andere; obwohl, ihr Blick -
er war so ähnlich. Auch die Hand, die sich an seinem Arm entlang tastete
- sie schien vertraut. Vor allem aber die Gefühle, die durch seinen Körper
schossen, als ihr Geruch direkt in seine Nase drang - die kannte er. Sein
Blick wanderte ihren Hals entlang, folgte seinen Händen, die die Konturen
des Pullovers nachzeichneten. Ein zarter Seufzer entrang sich ihren
Lippen, als er die Augen des Tigerbildes auf dem Pulli erreichte, ihr Atem
ging ein wenig schneller.
Ihr Kopf lehnte sich an seine Schulter, tief atmete er den Geruch ihres
Haares und ihres Parfums ein, während ihr Arm in seinem Rücken den Weg
in den Nacken fand und zärtlich den Haaransatz zu kraulen begann.
Vergessen waren die Kinder auf der Wiese, vergessen all die Menschen, die
vorbei kommen könnten - was zählte, war nur der Moment, das Genießen -
nur sie und er. Tiefer wurden die Blicke, die sie tauschten, fordernder
die Gesten und heftiger der Atem. Endlich näherten sich ihre Lippen, zärtlich
und verlangend fühlte er sie an seinem Hals. Heiß brannte der Kuß auf
der kalten Haut und heißer wurde der Hals, als sie zum zweiten Mal ihre
Lippen darauf preßte.
Wieder ein zarter Seufzer, als er nun auch ihren Hals mit Küssen verwöhnte
- ihrer beider Körper drängten sich sehnsuchtsvoll aneinander.
"Halt" rief etwas in seinem Hinterkopf, doch er ignorierte es,
genoß einfach diesen Moment, die Fülle der Gefühle ließ seine
Vorbehalte verschwinden. Fordernd fand sein Mund den ihren, fast schon
ertrinkend, tief wechselte der Atem von einer zur anderen Seite. Immer
heftiger und verlangender fanden sich die Lippen, immer mehr verschwamm
die Umgebung. Die Sonne umspielte ihr Gesicht, doch das sah er schon nicht
mehr, denn die Augen waren schon längst geschlossen, um den restlichen
Sinnen nicht im Wege zu stehen. Der Geruch und die Wärme, die ihr Körper
ausstrahlte, raubten ihm den Verstand und ließen ihn alles rundherum
vergessen.
Ihre Arme wanderten tiefer den Rücken entlang, bis zur Hüfte und weiter.
Heftiger wurde ihr Kuß, heftiger die Bewegungen ihrer Lippen und ihres
Atems. Auch er war nicht tatenlos, streichelte entlang des Tigerkopfes
ihren Körper unter dem Pullover. Plötzlich stand ein kleiner Junge vor
den beiden - "Mami, ich hab’ Hunger!".
Schalkhaft sah sie dem Erwachenden in die Augen und sagte "Wenn sie
mich jetzt entschuldigen würden, ich muß jetzt leider gehen". Errötend
erwachte er aus seinen Fantasien und bemerkte, daß neben ihm bereits eine
ganz andere Frau saß, doch wenige Meter weiter war ein Pulli am Wegrand
auf einen Baum gelegt, ein Pulli mit einem Tigerkopf darauf, direkt neben
dem schmalen Weg, der in den Wald führte .....
GF © 11.11.1996
 
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